Ansprache (Neujahrsempfang aller griechischen Vereine und Institutionen, 29.01.2006)

 

 

Guten Abend. Καλησπέρα, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Καλή χρονιά. Ein schönes und frohes neues Jahr wünsche ich euch allen.

 

Als ich vor ein paar Wochen die Unterlagen für eine Trauung ausfüllte, fragte ich die zukünftige Braut: Wo ist dein Vater geboren? In Mannheim, antwortete sie. Nicht du, erwiderte ich ihr, dein Vater… In Mannheim, bestätigte sie. Vor 50 Jahre, also im Jahre 1955. Im selben Jahr hat ihr Opa das erste griechische Restaurant in Mannheim eröffnet. Seine Enkelin, Christina, wird in wenigen Monaten ein Kind zur Welt bringen. Die griechische Präsenz in Mannheim geht damit schon in die vierte Generation. 

Die Geschichte der Mannheimer Griechen hat lange vor der Vereinbarung zwischen der deutschen und der griechischen Regierung über die „Anwerbung und Vermittlung von griechischen Arbeitnehmern nach der Bundesrepublik Deutschland“ begonnen. Unter uns lebt ein Grieche, Herr Christoforos, der schon in den vierziger Jahren nach Mannheim emigrierte und eine deutsch-griechische Familie gründete.  

Seine Schwester, Frau Angeliki G., wurde vor ein paar Monaten von „den Unmündigen“ interviewt, im Rahmen ihres Projektes „gesternJahre“. Aus dem Ausstellungskatalog der „Unmündigen“ lese ich einige pfiffige Passage aus dem Interview mit Frau Angeliki vor.  

 

„Von Kapodistria (erster Präsident des modernen Griechenland von 1828 bis 31) gibt es die Äußerung: „Opou gis, patris“ („Wo deine Erde ist, da ist deine Heimat“). So habe ich das auch gesehen und hatte keine Probleme mich in Deutschland einzugliedern. Ich wollte die Sprache lernen, weil ich dachte, ich bin Eine gegenüber Tausend. Ich kann nicht erwarten, dass die Tausend meine Sprache lernen. Erst lernte ich einzelne Wörter, dann Sätze. Später kamen Volkslieder und der „Wackelmann“ („Schunkeln“) dazu. Inzwischen vermisse ich sogar, wenn ich im Urlaub in Griechenland bin, das Sauerkraut und die Leberknödel“ (Katalog zur Ausstellung „gesternJahre- 50 Jahre gastArbeiter“, S.36)

 

„Wir „Gastarbeiter“ haben uns alle gegenseitig unterstützt. Es gab einige, die die Anweisungen der Vorarbeiter nicht sofort verstanden. Sie hatten Angst ausgeschimpft zu werden oder ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Viele brachen dann in Tränen aus. Aber solche Probleme lösten wir untereinander, indem einer von uns mit unserem Deutsch das Ganze noch mal erklärte. Und das klappte meistens“ (S.43)

 

„Ich habe es nie bereut, nach Deutschland gekommen zu sein. Das einzige was mich stört, ist diese Betonung auf „Ausländer“, „Gastarbeiter“ oder „Mitbürger“. Wenn man „Gastarbeiter“ genannt wird, dann wird man nur als Arbeiter betrachtet. Das nenne ich weiße Sklaverei! Deshalb sagen wir: Weg damit! Egal was du von Beruf bist, selbst Rektoren macht es fertig, wenn man sie „Mitbürger“ nennt“ (S.44).

 

Die Haltung von Frau Angeliki ist typisch für die Mannheimer Griechen: eine liebende Distanz zu der deutschen Gesellschaft. Sie lieben Deutschland, sie lieben Mannheim, sie fühlen sich hier zu Hause, verschweigen aber nicht die existierenden Probleme und die fehlenden Integrationsmaßnahmen.

 

Denn, erst im letzten Jahr hat die deutsche Politik, durch das neue Einwanderungsgesetz, offiziell zugestanden, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist; 50 Jahre nach den Anfängen der modernen Migration in die Bundesrepublik Deutschland.

 

Heute aber, sind wir hier versammelt nicht um zu klagen, sondern um zu feiern. Wir feiern die friedliche Koexistenz  mit Menschen aus 170 Nationen in Mannheim und die Tatsache, dass die Stadt Mannheim unsere Heimat geworden ist.

 

Als der Beauftragte der Stadt Mannheim für ausländische Einwohner, Herr Preißler, zusammen mit seiner Kollegin aus Ludwigshafen uns, Vertreter der verschiedenen Griechischen Institutionen und Vereine in Mannheim, zusammen mit den Vertretern aller Migrantenvereine eingeladen hat, das fünfzigste Jubiläum der Migration in Mannheim gebührend zu feiern, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was wir machen könnten. Wir wollten die griechische Präsenz in der Mannheimer Gesellschaft der breiten Öffentlichkeit bekunden. So haben wir uns entschlossen, diesen Neujahrsempfang zu organisieren. Typisch für uns Griechen, haben wir das nicht früh genug getan, so dass die Ankündigung in das offizielle Heftprogramm für die 50 Jahre Migration in Mannheim und Ludwigshafen ihren Platz finden kann. Trotzdem haben wir das geschafft! Und wir sind sehr froh, Sie alle, meine Damen und Herren, zu dieser besonderen Veranstaltung willkommen zu heißen. Sie sind zahlreich erschienen! Griechen, Deutsche und Mitbürger anderer Nationalitäten. Mannheimer, aber auch aus der weiteren Region.

Ganz herzlich begrüße ich unseren Generalkonsul der Republik Griechenland aus Stuttgart, Herrn Panagi Mpantouna. Ich freue mich für die Gegenwart des Vertreters des Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Frank Mentrup. Willkommen heiße ich außerdem Herrn Preißler, den Beauftragten der Stadt Mannheim für die ausländischen Einwohner, so wie Herrn Schmitt, Beauftragten der Stadt Mannheim für die ausländischen Einwohner a.D., die verschiedenen Stadträte, die uns mit ihrer Präsenz heute ehren, Herrn Nikitopoulos, Frau Trösch, Herrn Meder, Frau Bade, sowie Herrn Reichardt, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg. Ich freue mich besonders über die Präsenz der beiden Dekane, des Katholisches Stadtdekans, Herrn Pfarrers Jung und des Evangelischen Dekans, Herrn Pfarrers Eitenmüller. Den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, Herrn Brucksch, begrüße ich ganz herzlich. Der Migrationsbeirat ist präsent durch seinen stellvertretenden Vorsitzenden, „unseren“ Charisios Tzellos, den ich herzlich begrüße. Prof. Jüttner und Herr Weiß haben sich für die Einladung bedankt, sind aber verhindert. Ganz herzlich begrüße ich zwei Damen, Frau Wittmann, Direktorin des angesehenen Regenbogenkindergartens und Frau Behrens, Leiterin des Internationalen Wassermalstudios Jungbusch. Ich begrüße und bedanke mich bei den „Unmündigen“, Herrn Ertunc und Frau Alexopoulou, die uns ihre Bilder, bzw. Fotos für diese Veranstaltung ausgeliehen haben. Ich begrüße noch zwei Professoren aus den Universitäten Mannheim und Heidelberg, Herrn Richter und Herrn Stupperich.

Mit besonderer Freude begrüße ich unseren Überhaschungsgast, den Schauspieler der „Lindenstrasse“, Herrn Costas Papanastasiou, der ein alter Mannheimer ist.

Besonders möchte ich Frau Dr. Wahl-Spyropoulos sowie ihren Ehemann, Prof. Spyropoulos herzlich willkommen heißen und Ihnen, Frau Dr. Wahl, für die Mühe danken, einen Vortrag in dieser schwierigen Jahreszeit für unsere Veranstaltung vorzubereiten.

Bei unserer Musikerin, die Diplom-Pianistin Anna Panagopoulos, möchte ich mich besonders bedanken. Sie hat sich selber um das Klavier für die heutige Veranstaltung gekümmert! Ohne Mikrophone geht es nicht, und deswegen möchte ich mich ganz am Anfang bei unserem Technik-Mann, der auch Musiker ist, Herrn Sotirios Karaoulanis bedanken. Wenn ich es mir noch mal überlege, ohne Mikrophone ginge es vielleicht, aber ohne die Frauen, die die Wassilopittas, also den Neujahrskuchen, gebacken haben, würde unsere Veranstaltung nicht möglich sein. Seien sie alle gesegnet! Ich begrüße und bedanke mich für die Präsenz von allen Kindern und Jugendlichen, die heute im Programm mitmachen, sowie für die Gegenwart von euch allen, meine Damen und Herren.

Sie werden heute einen kleinen Einblick in das Leben der Mannheimer Griechen gewinnen. Neun verschiedene Institutionen und Vereine stellen sich vor. Die Vielfalt ist groß. Und trotzdem gibt es viel mehr Aktivitäten von Mannheimer Griechen, von kleineren Gruppen oder von einzelnen, die nicht in Vereine organisiert sind, die aber das Bild der Griechen Mannheims prägen und vervollständigen. So z.B. die griechischen Gastronomen. In jeder Ecke Mannheims findet man „den Griechen“, bei dem man das Essen in guter Preisleistung genießen darf. Einer von Ihnen hat sich sogar gewagt, eine authentisch griechische Taverna in Mannheim zu eröffnen. Es ist Herr Georgiadis, von Taverna „Plaka“ in H3, 16-17, der unseren Stehempfang am Ende sponsert. Ferner sollte man die zahlreichen Wissenschaftler griechischer Abstammung erwähnen, die an der Universität, in den Krankenhäusern oder privat, als Ärzte, Juristen oder Freiberufler arbeiten. Griechinnen und Griechen kann man in Mannheim in allen Bereichen des beruflichen Lebens finden: von der Fabrik, dem Krankenhaus, dem Markt, dem eigenen Betrieb bis hin zu der Universität und in der Politik. 

„Mehr als in anderen Zuwanderungsgruppen“ stellt Prof. Dr. Eberhard Eichenhofer fest, „ durchliefen dabei in den griechischen Familien die häufig schon in Deutschland geborene Kinder erfolgreich die deutschen Schulen und Bildungseinrichtungen und die Ehefrauen waren in den deutschen Arbeitsmarkt integriert. Zudem bildeten die Griechen zahlreiche eigene Kirchengemeinden und Vereine, um einerseits die sie verbindenden kulturellen Traditionen zu pflegen und andererseits die Probleme des Migrantendaseins in der Bundesrepublik gemeinsam zu bewältigen. Zusammenfassend lässt sich feststellen“, so der Professor Eichendorfer weiter, „dass es bei den griechischen Zuwanderern weder zu einer die Spuren ihrer Kultur tilgenden Assimilation noch umgekehrt zur Herausbildung einer von der deutschen Gesellschaft weitgehend abgetrennten Parallelgesellschaft kam. Vielmehr entstand die für Einwanderungsgesellschaften typische Mischung aus Distanz und Nähe zu der jeweiligen Aufnahmegesellschaft“ (Griechenland im Spektrum, 40 Jahre Deutsch-Griechische Soziale Sicherung, 1963-2003, S. 11-12). Mehr dazu werden wir von Frau Dr. Wahl in ihrem Vortrag hören.

 

Zunächst aber würde ich den Generalkonsul der Republik Griechenland aus Stuttgart, Herrn Mpantounas, danach den Vertreter des Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Mentrup und schließlich Herrn Preißler, den Beauftragten für die ausländischen Einwohner um ein Grußwort bitten.

 

Jetzt bitte ich Frau Dr. Wahl-Spyropoulos, die Direktorin des Ursulinen-Gymnasiums, das Wort zu ergreifen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Programm

 

Musikalische Eröffnung

 

Zwei Stücke (Nr. 5 und Nr. 8) aus der Sammlung von Jannis Konstantinidis (1903-1984) „8 Tänze aus den griechischen Inseln für Klavier (1954)“.

 

Im Klavier: Anna Panagopoulos.

 

Begrüßung

 

Pfarrer Dr. Georgios Basioudis

 

Grußworte

 

Herr Panagis Mpantounas, Generalkonsul Griechenlands in Stuttgart

 

Herr Dr. Frank Mentrup, Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim

 

Claus Preißler, Beauftragter für ausländische Einwohner der Stadt Mannheim

 

Festvortrag: Durch Integration zu einer friedlicheren Welt“

 

von Frau Dr. Angelika Wahl-Spyropoulos, Direktorin des Ursulinen-Gymnasiums

 

Musikalisches Intermezzo: zwei Stücke (Archangelitikos aus Rhodos und Sousta aus Rhodos) aus der Sammlung von Jannis Konstantinidis „22 Lieder und Tänze aus der Dodekanes für Klavier (1943-1946)“

 

Die griechischen Vereine in Mannheim stellen sich vor

(Moderation: Fotini Stefanidou, Erzieherin)

 

Griechische Gemeinde e.V.

 

Griechisch-Orthodoxe Kirchengemeinde „Kreuzerhöhung“ zu Mannheim

 

Verein zur Förderung der Griechischen Begegnungsstätte Mannheim e.V.

 

Musikalisches Intermezzo:

-          Mia Panagia, von Manos Chatzidakis (1925-1994), aus dem Werk „Römischer Markt (1986)“.

-          Megali Sousta, von Manos Chatzidakis, aus dem Werk „Für eine kleine weiße Seemuschel (1947-1948)“

 

Griechische Vor- und Grundschule Waldhof

(Verein der Eltern und der Erziehungsberechtigten der griechischen Schule Mannheim e.V.)

 

Zwei Tanzvorführungen aus der dritten und vierten Klasse.

 

Griechische Abendschule (Muttersprachlicher Unterricht)

 

Verein der Pontos-Griechen in Mannheim und Umgebung e.V.

 

Zwei Tanzvorführungen

 

Kretischer Verein LU-MA e.V.

 

Zwei Tanzvorführungen

 

SV Enosis Mannheim

 

Griechisches Lyzeum

 

Zwei Tanzvorführungen

 

Feierlicher Anschnitt der Wassilopitta (Neujahrskuchen)

 

Pfarrer Dr. Georgios Basioudis

 

 

Stehempfang

 

Sponsor: Taverna Plaka, Fisch- und Fleischspezialitäten vom Holzkohlengrill, H3, 16-17