Prof. Dr.Dr. GRIRORIOS LARENTZAKIS

Der Beitrag der Orthodoxie
für Europa
(1) 

 

Mehrfach freue ich mich, bei dieser besonderen Gelegenheit hier in Bonn dabei zu sein und beim Empfang anlässlich des Namenstags Seiner Heiligkeit des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. mitwirken zu dürfen. Herzlichen Dank dafür.

Der Anlass selbst ist für mich ehrenvoll. Die Distanz beeinträchtigt die lebendige Gemeinschaft mit unserem Ökumenischen Patriarchen nicht, auch die Distanz zwischen Bonn und Konstantinopel nicht. Deshalb ist es wichtig, die vorhandene Gemeinschaft zu stärken und andere mitfreuen zu lassen.

Das Thema Europa und für Europa ist existenziell sehr wichtig. Es verpflichtet uns aus voller Überzeugung, die Orthodoxe Kirche insgesamt, aber auch mich persönlich! Und wenn wir wissen, dass unser Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. u. a. auch ein überzeugter Europäer ist und den europäischen Geist intensiv fördert, dann ist eine solcher Anlass heute und hier ein zusätzlicher Ansporn und eine Herausforderung, sich diesem gesamteuropäischen Anliegen noch stärker zu widmen.

Gerade in unserer Zeit und ich meine konkreter in unseren Tagen, in denen eine europäische Skepsis sehr markant, unüberhörbar und unübersehbar sich breit macht, zeigt sich die unabdingbare Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit aller Kräfte unseres Kontinents, um uns gemeinsam aus der Sackgasse des Gewordenen herauszuführen und mögliche hoffnungsvolle Perspektiven für die Menschen auch gemeinsam zu suchen und vielleicht auch zu finden. Die Zeit drängt! Deshalb können wir uns nicht, ja dürfen wir uns nicht den Luxus der Überbetonung unserer Autarkie und der Ausgrenzungen leisten. Aus diesem Grunde hat der möglichst breit angelegte europäische Dialog eine unerlässliche Bedeutung. Einen solchen Dialog bietet die Gesamtorthodoxie an, oder vielmehr, einen solchen Dialog hat sie vielfältig initiiert und nach wie vor intensiv und unermüdlich praktiziert.

Mit diesem Geist und mit dieser Überzeugung, die die orthodoxe Haltung markiert, möchte ich einige Bemerkungen machen, die auf einen möglichen Beitrag der Orthodoxen Kirche hinweisen können.

 

 

1. Was ist Europa? Auf diese vielfältige Frage muss zunächst gesagt werden: Europa ist das Gebiet „zwischen Atlantik und Ural, zwischen Nordkap und Mittelmeer“.

Das ist die Definition auch in der Charta Oecumenica.(2) Sowohl bei der Erstellung, als auch bei der Unterzeichnung dieser Charta Oecumenica waren alle Kirchen Europas beteiligt, d. h. alle Mitgliedskirchen der Konferenz Europäischer Kirchen, in der die meisten europäischen Orthodoxen Kirchen, allen voran das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, Mitglieder sind, wie auch die Römisch-Katholische Kirche Europas durch den Rat der Bischofskonferenzen Europas. Diese Charta Oecumenica wurde im Jahre 2001 in Straßburg unterzeichnet und veröffentlicht und in Berlin von allen christlichen Kirchen anlässlich des Ökumenischen Kirchentages angenommen und unterzeichnet. Diese Definition der Charta Oecumenica darf also nicht durch unterschiedliche Interpretationen aus verschiedenen Interessens-Perspektiven relativiert oder beeinträchtigt werden.

Europa ist sicherlich auch ein kultureller Begriff, aber eine Realität als Gemeinschaft von Menschen, Völkern und Staaten innerhalb eines konkreten geographischen Raumes. Deshalb ist Europa politisch, kulturell und geographisch weder zentral- noch westeuropäisch. Religiös-christlich ist Europa weder katholisch oder evangelisch, auch nicht nur katholisch und evangelisch, sondern gesamtchristlich, also auch orthodox und zwar aus der konkreten Realität, nur ökumenisch zu verstehen. Für dieses vielfältige Europa stehen die Städte Rom, Athen, Jerusalem, "Neues Rom" - Konstantinopel und Wittenberg. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass auch andere Religionen in diesem Europa ihren legitimen Platz haben.

All das muss für die verschiedenen Bewertungen sowohl der Geschichte Europas, als auch ihrer Gegenwart, wie auch für ihre zukünftige Gestaltung stärker berücksichtigt werden. Sonst haben wir einseitige Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen. D. h.

 

2. Europa ist mehr als nur die "Europäische Union"!

Und wenn die EU in Richtung Süd- Südosten erweitert wird, was notwendig und sinnvoll ist (3), wandern doch nicht die Grenzen Europas Richtung Osten!

Noch etwas: Allein die Mitgliedschaft in der EU bestimmt nicht die Qualität der Völker Europas, genauso wenig mindert die Nicht-Mitgliedschaft ihre Qualität. Unser Blinkwinkel muss noch erweitert werden, damit wir nicht nur einen Teil Europas sehen (4), sondern das ganze Europa und zwar in seiner integrierenden Bereicherung, in Souveränität und Integrität ohne von anderen Mächten einseitig abhängig zu bleiben (5). Das sind also alle Völker und alle Menschen Europas in einer qualitativen Gleichwertigkeit.

 

 

3. In diesem Sinne bekundet die Orthodoxie, wie die Frühkirche, dass, weil alle Menschen als Abbild Gottes geschaffen wurden, sie gleichwertig sind.

Mit diesem Gemeinschaftsprinzip aus unserem christlichen trinitarischen Gottesbild (6), das auch gemäß Joh 17,21-22 unser Vorbild sein muss, hängen sehr viele Fragen der Identität der Menschen, ihrer Würde und ihrer Existenzweise in der gesellschaftlichen Ordnung zusammen. Aus dieser Erkenntnis heraus zitierte der bekannte evangelische Theologe J. Moltmann einen orthodoxen Theologen und meinte: „Die heilige Trinität ist unser Sozialprogramm.“ (7)

Dieses Prinzip der Gleichwertigkeit oder Gleichheit (8), das die Orthodoxe Kirche bis heute hoch hält, müssen wir in Erinnerung behalten, d.h. als Grundlage für alle unsere Handlungen, die unsere Mitmenschen betreffen, nehmen.

Dieses Gemeinschaftsprinzip überwindet alle Grenzen der Autonomisierung, Individualisierung und Isolierung des Menschen.(9) In einem gesamtorthodoxen Dokument wird betont: „Die Orthodoxie bekennt, dass jeder Mensch - unabhängig von Farbe, Religion, Rasse, Nationalität und Sprache - das Bild Gottes in sich trägt und unser Bruder oder unsere Schwester ist und gleichberechtigtes Glied der menschlichen Familie.“(10)

Konsequenterweise kann von der Schöpfungstheologie her durch nichts die überhebliche Behauptung gerechtfertigt werden, dass manche Menschen oder manche Völker oder Nationen qualitativ besser seien als andere, oder dass manche Menschen oder Völker qualitativ minderwertiger seien als andere; - auch in Europa und anderswo. Und der hl. Paulus sagte in Athen, dass Gott alle Nationen, alle Ethnien, aus einem Blut (11) geschaffen hat, damit sie die ganze Erde bewohnen (Apg. 17, 26).

 

4. Aufgrund der orthodoxen Anthropologie, die eigentlich die christliche Anthropologie ist, muss demnach jede verabsolutierende, anthropozentrische Autonomie, jede Diskriminierung und jeder Nationalismus abgelehnt und verurteilt werden.

Wir leben in einer Zeit der rasanten Entwicklungen in Technik und Wissenschaft, die kaum überschaubar sind. Gerade in diesem Prozeß meint man autonom zu sein, wie auch, dass alles erlaubt sei, was machbar ist. Ist der Mensch wirklich so autonom? Ist alles erlaubt? Auch das Klonen von Menschen? Ist es gleichgültig für den Menschen, wo, wann, vor allem wie er „produziert“ wird? Hat der Mensch wirklich seinen Schöpfer überholt oder sogar ersetzt?

Gerade wegen aller dieser Fragen ist die Schaffung einer gemeinsamen vertrauensvollen Basis für eine intensive und effektive Zusammenarbeit der zuständigen und kompetenten Verantwortungsträger wichtig und unabdingbar. Auch die Intensivierung der Zusammenarbeit und des Dialogs mit den christlichen Kirchen, wie es in der vorgesehenen neuen Verfassung Europas steht, ist tatsächlich unerlässlich und ernst zu nehmen. Ein transparenter Dialog auf der Basis der Gleichwertigkeit der Würde aller Menschen, der breit und öffentlich geführt wird, damit die Menschen es auch erfahren, ist lebensnotwendig, um dann auch gemeinsam die Prioritäten für das menschliche Leben festzustellen. Dies schafft eine breite Bewusstmachung des großen Interesses für die Menschen, eine Vertrauensbasis, eine wichtige Voraussetzung für den Rezeptionsprozeß.

Mit der christlichen Anthropologie, mit dem christlichen Menschenbild kann auch jede Diskriminierung, wie auch jeder ausgrenzende Nationalismus und Rassismus entschieden bekämpft und verurteilt werden. Der Nationalismus, Rassismus-Phyletismus wurde von der Gesamtorthodoxie in einer Synode in Konstantinopel im Jahre 1872 als Häresie verurteilt. Dies ist für das Zusammenwachsen der vielen Völker Europas heute und morgen sehr wichtig. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., hat sich in seiner Rede im Europaparlament in Straßburg am 19. April 1994 bezüglich des neuen Europa zu diesen Prinzipien bekannt. (12) Auch alle Oberhäupter der Gesamtorthodoxie, Patriarchen und Erzbischöfe, sagten bei ihrem Gipfeltreffen auf der Insel Patmos am 26. September 1995 in ihrer Botschaft unmissverständlich dasgleiche. (13)

 

 

5. Das föderative Prinzip der Struktur der vielen selbstständigen Orthodoxen Kirchen in der Gemeinschaft der Gesamtorthodoxie ist sehr wichtig.

Die Orthodoxie ist strukturiert als Einheit in der Vielfalt. D. h. in Gemeinschaft vieler selbstständigen Kirchen, die im Wesentlichen denselben Glauben haben, aber „föderalistisch“, nicht zentralistisch verwaltet wird: Communio Ecclesiarum. Der Erste in der Orthodoxie, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, ist primus inter pares mit gesamtorthodoxen Aufgaben, Diensten und Verpflichtungen. Die gemeinsamen Probleme werden konziliar und synodal mit demokratischen Prinzipien, auch in den schwierigsten Krisen ihres Lebens behandelt, wie es vor kurzem geschehen ist. (14)

Ein solches Prinzip der Einheit Europas in der Respektierung der Vielfalt der autonomen Bereichen der Völker und der Staaten könnte zur Überwindung von vielen latenten oder manifesten Ängsten der Bürger Europas sehr hilfreich sein.

  

6. Die Orthodoxe Kirche fördert die ökumenische Zusammenarbeit der christlichen Kirchen auch in Europa sehr intensiv. Die Stimme der Orthodoxen Kirchen in der Konferenz Europäischer Kirchen ist sehr wahrnehmbar.

Die Orthodoxe Kirche betrachtet die Zusammenarbeit aller Kirchen in der Ökumene als notwendig, auch für die friedliche Koexistenz der Völker Europas. Die Orthodoxen Kirchen in Deutschland sind ein beredtes Beispiel dieser Haltung. Dieses alte Anliegen verfolgt und praktiziert die Orthodoxe Kirche, allen voran das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel offiziell seit 1902, bzw. 1920 durch Synodalenzykliken. Die beiden Lungenflügel Europas, des Ostens und des Westens, müssen harmonisch zusammen zu atmen beginnen wie der verstorbene Papst Johannes Paul II. immer wieder betonte. Diese intensive Zusammenarbeit stellt ein Grundanliegen auch des neuen Papstes Benedikt XVI. dar. Unsere Hoffnungen sind groß und berechtigt. (15)

Die Gesamtorthodoxie arbeitet auf Europaebene mit großer Intensität und von Anfang an auch bei der Konferenz Europäischer Kirchen, an der ca. 130 europäische Kirchen offiziell beteiligt sind Mein Wunsch zum christlichen Europa wäre: Eine Konferenz Europäischer Kirchen mit allen christlichen Kirchen, auch mit der Römisch-Katholischen Kirche in Europa. Das ist der offizielle Vorschlag des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel seit 1979!!

Wir haben keine Alternative.

Die erwähnte „Charta Oecumenica“ ist das erste gemeinsame Dokument aller christlichen Kirchen Europas mit „Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa“. Daher ist auch dieses Dokument für die Zukunft Europas, die in einem Kapitel eigens behandelt wird, sehr wichtig. (16)

 

 

7. Die Orthodoxe Kirche pflegt auch den interreligiösen Dialog sowohl mit dem Judentum als auch mit dem Islam.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat viele Initiativen ergriffen. Die „Bosporus-Deklaration“, die Vertreter der Weltreligionen, des Christentums, des Judentums und des Islam, auf Einladung des Ökumenischen Patriarchates im Februar 1994 in Konstantinopel unterzeichnet haben(17), hält „mit besonderem Nachdruck fest, dass ‚ein Verbrechen im Namen der Religion ein Verbrechen gegen die Religion ist’... Wir, die Unterzeichneten, (heißt es in der Deklaration weiter) weisen jeden Versuch zurück die Grundsätze unseres Glaubens durch falsche Interpretation und durch ungehemmten Nationalismus zu korrumpieren. Wir stellen uns entschlossen gegen jene, die sich an der Heiligkeit des menschlichen Lebens vergehen und eine Politik verfolgen, die allen moralischen Werten hohnspricht... Gänzlich verurteilen wir jene, die diese Brutalitäten, Tötungen, Vergewaltigungen, Verstümmelungen, Zwangsvertreibungen und unmenschliche Züchtigungen begehen.“ (18)

Außerdem gibt es viele bilaterale Dialoge der Orthodoxie mit dem Islam und dem Judentum mit sehr wichtigen gemeinsamen Dokumenten. (19)

Im heutigen multireligiösen Europa benötigen wir ebenfalls, mehr denn je, einen solchen interreligiösen Dialog auch im zivilen und politischen Bereich.

 

8. Die Orthodoxie fordert für Europa diachrone Werte und bleibende Prinzipien. Die intensive Ökonomisierung und Technisierung Europas schaffen neue Probleme und neue Sorgen für das Leben der Menschen.

Weder die EU noch das ganze Europa darf nur auf wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Grundprinzipien und Zielsetzungen aufgebaut werden. Der kulturell-religiös-ethische Aspekt ist sehr wichtig.

Die intensive Ökonomisierung Europas wird sehr deutlich bei den letzten Verfassungsabstimmungen und in der allgemeinen öffentlichen Meinung sehr kritisch und mit Argwohn von den Bürgern Europas betrachtet, die die soziale Dimension nicht erkennen oder vermissen. Vor kurzem stellte auch der Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Karl Korinek, im Zusammenhang mit den ablehnenden Stimmen gegen die neue europäische Verfassung fest: „Ich sage es noch einmal: der EU fehlt die soziale Kompetenz“.(20) Die Wirtschaft, das Geld oder der Reichtum ist an sich nichts Negatives. Der Mensch muss dabei aber als „oikonomos“, als Haushalter handeln. Das Wirtschaftliche bzw. die Maximierung des Profits darf nicht der Hauptzweck werden, dem alles geopfert werden muss, etwa auch der Sonntag. Wenn eine „soziale Marktwirtschaft“ oder sogar eine „Ökosoziale Marktwirtschaft“ angekündigt wird, dann muss sie konsequent und glaubwürdig angewandt werden. Allein das Faktum der Millionen Arbeitslosen spricht aber eine Sprache für sich. Und die Menschen in Europa spüren tatsächlich zu wenig die soziale Dimension und Perspektive.

Dabei ist die Meinung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios sehr wichtig, wenn er den Europaparlamentariern am 19. April 1994 sagte: „Das vereinte Europa kann nicht nur die Planung einer einheitlichen wirtschaftlichen Entwicklung und die Entfaltung einer einheitlichen Verteidigungspolitik bedeuten. Von der Sache her verlangt diese Vision auch eine einheitliche Sozialpolitik in friedlicher und fruchtbarer Zusammenarbeit der europäischen Völker. Dies ist eine Forderung, die sich aus unserer Kultur ergibt, eine Frage nach dem Sinn der zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie der gegenseitigen Durchdringung der nationalen Traditionen.“ (21)

Es dürfen also keine neuen Mauern aufgestellt werden. Der Eiserne Vorhang ist weg; es darf nicht der „silberne“ oder der „goldene“ aufgestellt werden.

 

 

9. Die Gemeinschaft und der Reichtum der Vielfalt der Völker Europas muss gefordert werden. Die Gleichschaltung und das erzwungene Einebnen der verschiedenen Identitäten bedeutet Verarmung Europas.

Europa muss aufgebaut werden auf dem Prinzip der legitimen Vielfalt der Völker, der Kulturen, der Traditionen, der Konfessionen und der Religionen. Der Reichtum des Ostens und des Westens ist eine echte gegenseitige Bereicherung für alle Völker Europas. Die Menschen in Europa wollen es auch.

Diese Linie reicht bis zum Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., wie er dies in seiner erwähnten Rede im Europaparlament in Straßburg am 19. April 1994 bezüglich des neuen Europa betont hat: „Das Ökumenische Patriarchat und die Orthodoxe Kirche überhaupt respektieren die nationalen Traditionen und Empfindungen der Völker… Wir werden weiterhin unerbittlich auf der Notwendigkeit des freien und friedlichen Umgangs der Menschen untereinander, des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenlebens der Völker beharren.“ (22)

Diesen Geist nahmen die orthodoxen Patriarchen und Erzbischöfe bei ihrem Gipfeltreffen auf Patmos am 26. September 1995 auf. (23) Ähnlich formulierten sie später in Jerusalem und in Nikäa. Die Wurde der menschlichen Person muss bei allen Überlegungen und Entwicklungen im Vordergrund stehen. Anders gesprochen, es muss die Menschlichkeit in der europäischen Gesellschaft das ausschlaggebendste Charakteristikum werden und bleiben. Und ich meine, dies ist auch möglich! Die Menschen müssen spüren, dass dies ernst genommen wird, wenn es in den verschiedenen Dokumenten auch der EU erwähnt wird, ob es die Charta der Grundrechte ist oder die Verfassung usw.

Die menschliche Person und ihre Würde stehen ganz zentral in einem gesamtorthodoxen Dokument, (Chambésy/Genf 1986) unter dem Titel: „Der Beitrag der Orthodoxen Kirche zur Verwirklichung des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Brüderlichkeit und der Liebe zwischen den Völkern sowie zur Beseitigung der Rassen- und anderen Diskriminierungen“. (24) Dieses Dokument beinhaltet konkrete Antworten auf aktuelle Fragen der Menschen von heute im allgemeinen und für das Zusammenwachsen Europas insbesondere. (25) Wenn das erwartete Panorthodoxe Konzil auch nur dieses Dokument als Konzilsbeschluss verabschieden wird, hätte sich die Einberufung und Abhaltung dieses Konzils gelohnt. Die Botschaft der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz (1997) ist diesbezüglich auch zu berücksichtigen. (26)

 

 

10. Das Ökumenische Patriarchat initiierte einen direkten Dialog der Orthodoxie mit den Parteien des Europaparlaments.

Die Fraktion der Volksparteien bzw. der Christdemokraten haben dieser Einladung Folge geleistet und so gab es bis jetzt mehrere sehr wichtige Begegnungen, die einen sehr wichtigen Dialog zwischen Politik und Religion im zusammenwachsenden Europa darstellen. Diese Begegnungen zeigen sehr deutlich, dass die Orthodoxe Kirche heute nicht vergisst, dass die Lösung der verschiedenen konkreten existentiellen Probleme der Menschen nur in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kräften gelöst werden können.

Für eine intensivere Zusammenarbeit hat das Ökumenische Patriarchat und andere Orthodoxe Kirchen in Brüssel eigene Büros eingerichtet.

Gerade in unserer sehr kritischen Zeit der Eskalation der kriegerischen Gewalt hat Europa eine sehr wichtige, vielleicht eigenständige Friedens-Rolle zu spielen. Wir Europäer müssen das was wir bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung aller Kirchen Europas (1989) unter dem Titel „Frieden in Gerechtigkeit“ in der Botschaft von Basel verabschiedet haben, nicht aus dem Gedächtnis löschen: „Der Krieg als Mittel zur Lösung von Konflikten muss überwunden werden. Wir werden, jeder in seinem Lande, alles daran setzen, dass die Vision gemeinsamer Sicherheit verwirklicht werden kann. Wir verpflichten uns heute, über Grenzen hinweg ein Vertrauen zu schaffen, in dem die Bereitschaft zur Beseitigung sowohl atomarer als auch chemischer und konventioneller Waffen wachsen kann. Zum Weg der Versöhnung gehört unabdingbar das Zeugnis der Gewaltlosigkeit.“ Ist all das Utopie? Die Bürger Europas wollen keine Kriege. Das haben sie gezeigt! Wie sollen sie es noch deutlicher manifestieren? Warum nehmen wir es nicht wahr? Die Zeit drängt und wir müssen endlich gemeinsam, europäisch handeln.

 

11. Die Orthodoxie bzw. der Ökumenische Patriarch BarthoIomaios bietet eine direkte Zusammenarbeit für die Gestaltung Europas an.

Das wir heute die Zukunft der Menschen mitgestalten dürfen, ist eine großartige Sache, es stellt aber zugleich eine große Herausforderung und eine große Mitverantwortung dar. Sind wir uns dessen ausreichend und wirklich bewusst? Die Orthodoxe Kirche ist für dieses gemeinsame Europa. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat einen konkreten Vorschlag gemacht und die Zusammenarbeit der Orthodoxen Kirche bei der Gestaltung des neuen Europa den Europaparlamentariern im April 1994 im Parlament in Straßburg angeboten. „Wir bitten Sie“ - sagte der Patriarch – „die Bereitschaft des Ökumenischen Patriarchates zu akzeptieren, Ihnen bei Ihrem Streben nach europäischer Einigung zur Seite zu stehen, für ein Europa, das nicht nur für sich selbst da ist, sondern zum Wohl der ganzen Menschheit.“ (27) Die Worte des Patriarchen Bartholomaios I. bedürfen keines Kommentars, sondern Annahme und Verwirklichung mit allen Kräften.

Es gab sehr viele in der Geschichte Europas, die ihre Stimme mutig und entschlossen erhoben haben, es gibt sie heute und es wird sie weiterhin geben. Aber geschwiegen haben auch sehr viele, und viele schweigen noch, auch heute. Und sie versuchen andere, die ihre Stimme erheben, zum Schweigen zu bringen. Die Stimme der Betroffenen, die Stimme der Propheten, die Stimme der Visionäre. Eine solche visionäre und prophetische Stimme haben wir heute nötiger denn je! Und sie gibt es. Vielleicht noch zu schwach. Vielleicht noch nicht verstanden. Ich hoffe sehr, dass wir diese Stimme wahrnehmen können, auch für das neue und gemeinsame Europa, wofür wir uneingeschränkt stehen und arbeiten!

Also: Nichtsdestotrotz! Denn Christsein und Resignation ist ein Widerspruch in sich. Und das bedeutet: Wir sind überzeugt und zuversichtlich, der gemeinsame Weg für die Zukunft Europas ist offen.

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(1) Referat gehalten am 13. Juni 2005 in Bonn anlässlich des Empfangs in der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa für den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

(2) Die Charta Oecumenica der Konferenz Europäischer Kirchen und des Rates der (römisch-katholischen) Bischofskonferenzen Europas wurde am 22. April 2001 in Straßburg verabschiedet und an die Kirchen Europas zur Annahme und zur Umsetzung geschickt.

(3) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Plenum des Europäischen Parlaments (Straßburg, 19. April 1994), Deutsch u. a. in: Onhodoxes Forum 8(1994)243.

(4) Vgl. Papandreou Damaskinos früher Metr. der Schweiz, Die Orthodoxie und der Aufbau des vereinten Europas, in: Orthodoxes Forum 10(1996)74f: „Es versteht sich folglich von selbst, dass der heutige internationale Dialog zwischen Ost und West und zwischen Nord und Süd, welcher geführt wird, um die vielfältige Krise der Werte zu überwinden, Gefahr läuft, erfolglos zu bleiben, da er von der Partikularität der einzelnen Systeme nicht zur Universalität der Werte der europäischen Kultur gelangen kann, welche als höchstes Wertkriterium die Heiligkeit und die unvergleichliche Würde der menschlichen Person besitzt. Die Zerstörung und Herabsetzung des Menschen seitens der ideologischen Systeme stellt auch einen Niedergang der Systeme selbst dar, während die Wiedergewinnung der universellen Werte der europäischen Zivilisation eine Annäherung der Systeme impliziert, da ihr Inhalt wieder mit der Idee des universellen Menschen verbunden wird; denn letztendlich ist ‚der Mensch das Maß aller Dinge’“. Es ist erfreulich, dass die frühere Rektorin von der TU Ilmenau Dagmar Schipanski solche Prinzipien auch für das vereinte Deutschland von der jungen Generation erwartet: „Sie soll sich der Freiheit und Menschenwürde als oberstes Prinzip in einem Rechtsstaat bewusst sein.“ (Nicht jammern, sondern lieber streiten. Zivilcourage oder Egoismus? Ost und West müssen gemeinsame Grundwerte finden. In: „Die Zeit“, 21. Oktober 1999, Länderspiegel, S. 23.

(5) Vgl. R. v. Weizsäcker, Europa muss erwachsen werden. In: „Die Zeit“, 21. Oktober 1999, S. 2.

(6) Gregor von Nazianz, Orat. 31,14, PG 36, 149, deutsch: Gregor von Nazianz. Die fünf theologischen Reden,. Text mit Übersetzung mit Einleitung und Kommentar, J. Barbel, Düsseldorf 1963, 245: „Wenn wir auch an drei glauben, so werden die doch auf einen zurückgeführt, die aus ihm ihren Ursprung haben. Denn das eine ist nicht mehr, das andere weniger Gott, das eine ist nicht früher, das andere später. Auch besteht kein Unterschied im Wollen, keine Teilung in der Macht, und es ist überhaupt nichts vorhanden, was einer Trennung ähnlich wäre, sondern, wenn man es knapp sagen will, so ist ungeteilt in den Verschiedenen die Gottheit“.

(7) Jürgen Moltmann, Die versöhnende Kraft der Dreieinigkeit im Leben der Kirche und der Gesellschaft, in: Ökumenisches Forum 6(1983)55. Siehe auch das Studienheft No. 15 der KEK, Genf 1983.  

(8) Alle Menschen sind «ομοούσιοι», wesensgleich, wie der hI. Athanasius betont. Athanasius, Ad Serapionem, II, 3, PG 26, 612B.

(9) Vgl. G. Larentzakis. Trinitarisches Kirchenverständnis, in: Trinität Aktuelle Perspektiven der Theologie, hg. v. W. Breuning, Freiburg-Basel-Wien 1984, 91f. Derselbe, Die Teilnahme am trinitarischen Leben. Die Bedeutung der Pneumatologie für die Ökumene heute. In: Der Heilige Geist: Ökumenische und reformatorische Untersuchungen, Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg Bd. 25, hg. v. Joachim Heubach, Erlangen 1996, 225f.

(10) „Der Beitrag der Orthodoxen Kirche zur Verwirklichung des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Brüderlichkeit und der Liebe zwischen den Völkern sowie zur Beseitigung der Rassen- und anderen Diskriminierungen“, in Una Sancta 42(1987)21. Dieses Dokument wurde in Chambésy bei der III. Präkonziliaren Panorthodoxen Konferenz als Konzilsentwurf für das nächste Panorthodoxe Konzil verabschiedet.

(11) Manche Ausgaben bzw. Übersetzungen sagen hier statt aus einem Blut, „aus einem Menschen“.

(12) „Das Ökumenische Patriarchat und die Orthodoxe Kirche überhaupt respektieren die nationalen Traditionen und Empfindungen der Völker. Wir verurteilen aber in schärfster Weise jede Art des Fanatismus, des Gesetzesbruchs und der Gewaltanwendung, von wem auch immer sie begangen werden. Wir werden weiterhin unerbittlich auf der Notwendigkeit des freien und friedlichen Umgangs der Menschen untereinander, des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenlebens der Völker beharren.“ Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Plenum des Europäischen Parlaments (Straßburg, 19. April 1994). Deutsch u. a. in: Orthodoxes Forum 8(1994)239f.

(13) „Wir verurteilen jeden nationalistischen Fanatismus, der zur Spaltung und zum Hass zwischen den Menschen, zur Verfälschung oder zur Vernichtung der kulturellen und religiösen Besonderheiten anderer Völker der Erde und zur Verletzung des heiligen Rechts auf Freiheit und Würde der menschlichen Person und der überall existierenden Minderheiten führen kann.“ Der Text deutsch: Botschaft der Vorsteher der Orthodoxen Kirchen (Patmos, 26. September 1995), in: Orthodoxes Forum 10(1996)100.

(14) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat am 24. Mai 2005 eine gesamtorthodoxe Synode aller Oberhäupter der Gesamtorthodoxie nach Konstantinopel einberufen, die die Krise des Patriarchates von Jerusalem behandelt hat. Der Patriarch von Jerusalem wurde auf Beschluss der Synode seines Amtes enthoben. [zu

(15) Vgl. Grigorios Larentzakis, Zukunftsweisende Ökumene. Der neue Papst Benedikt XVI. und orthodoxe Hoffhungen, in: KNA-ÖKI 17 (26. April 2005) 8f.

(16) Vgl. Grigorios Larentzakis, Europa ein menschliches Gesicht geben, Einige persönliche Gedanken zur Charta Oecumenica aus der Sicht eines orthodoxen Theologen, in: Ökumenische Rundschau 52(2003)58ff.

(17) Siehe in: Επίσκεψις, Nr. 503, 31.3.1994, 6-11. Und in: Ενημέρωσις, 1-1994/1-2, 1f.

(18) Die Deklaration in Deutscher Übersetzung von Otto König und Andrea Pfandl in: Ökumenisches Forum 18(1995)323-326.

(19) Dazu vgl. Papandreou Damaskinos, Möglichkeit und Notwendigkeit interreligiöser Dialoge; in: Una Sancta 53(1998)115f. Hier gibt es auch Hinweise für die Auswertung eines zehnjährigen Dialogs zwischen Christen und Muslimen.; bes. Anm. 2.  

(20) In: „Kleine Zeitung“, Graz, 4. Juni 2005, 8.

(21) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., 239f.

(22) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., ebd.

(23) In ihrer Botschaft betonten sie, „dass die orthodoxe, kirchliche Auffassung über ‚Nation’ gar kein Element der Aggressivität und der Konfrontationen zwischen den Völkern beinhaltet, sondern dass sie sich auf die Besonderheit eines jeden Volkes bezieht, auf ihr heiliges Recht, den Reichtum ihrer Tradition zu bewahren und zu pflegen, damit sie dadurch für den Erfolg, für den Frieden und für die Versöhnung aller Menschen beitragen.“ Der Text in: Orthodoxes Forum 10(1996)100. [zur

(24) Der Text Deutsch in: Una Sancta 42(1987)15f.

(25) Dazu vgl. Grigorios Larentzakis, Für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt von heute. Ökumenische und orthodoxe Aspekte, in: Ökumenisches Forum 10(I987)33f.

(26) „Aufgrund unseres Engagements für diesen Versöhnungsprozess fordern wir die politischen Entscheidungsträger und alle Bürgerinnen und Bürger dringend auf:
- die Würde der menschlichen Person und die Heiligkeit des menschlichen Lebens zu schützen;
- den Vorrang der menschlichen Person gegenüber wirtschaftlichen Interessen wieder herzustellen oder aufrechtzuerhalten;
- sich für die Würde und den Schutz der Rechte von Flüchtlingen, Migranten und Vertriebenen einzusetzen und das Recht von Flüchtlingen auf Asyl und die freie Wahl ihres Wohnortes aufrechtzuerhalten.

(27) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., 239.

http://www.orthodoxie.net/

 

 

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(1) Referat gehalten am 13. Juni 2005 in Bonn anlässlich des Empfangs in der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa für den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

(2) Die Charta Oecumenica der Konferenz Europäischer Kirchen und des Rates der (römisch-katholischen) Bischofskonferenzen Europas wurde am 22. April 2001 in Straßburg verabschiedet und an die Kirchen Europas zur Annahme und zur Umsetzung geschickt.

(3) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Plenum des Europäischen Parlaments (Straßburg, 19. April 1994), Deutsch u. a. in: Onhodoxes Forum 8(1994)243.

(4) Vgl. Papandreou Damaskinos früher Metr. der Schweiz, Die Orthodoxie und der Aufbau des vereinten Europas, in: Orthodoxes Forum 10(1996)74f: „Es versteht sich folglich von selbst, dass der heutige internationale Dialog zwischen Ost und West und zwischen Nord und Süd, welcher geführt wird, um die vielfältige Krise der Werte zu überwinden, Gefahr läuft, erfolglos zu bleiben, da er von der Partikularität der einzelnen Systeme nicht zur Universalität der Werte der europäischen Kultur gelangen kann, welche als höchstes Wertkriterium die Heiligkeit und die unvergleichliche Würde der menschlichen Person besitzt. Die Zerstörung und Herabsetzung des Menschen seitens der ideologischen Systeme stellt auch einen Niedergang der Systeme selbst dar, während die Wiedergewinnung der universellen Werte der europäischen Zivilisation eine Annäherung der Systeme impliziert, da ihr Inhalt wieder mit der Idee des universellen Menschen verbunden wird; denn letztendlich ist ‚der Mensch das Maß aller Dinge’“. Es ist erfreulich, dass die frühere Rektorin von der TU Ilmenau Dagmar Schipanski solche Prinzipien auch für das vereinte Deutschland von der jungen Generation erwartet: „Sie soll sich der Freiheit und Menschenwürde als oberstes Prinzip in einem Rechtsstaat bewusst sein.“ (Nicht jammern, sondern lieber streiten. Zivilcourage oder Egoismus? Ost und West müssen gemeinsame Grundwerte finden. In: „Die Zeit“, 21. Oktober 1999, Länderspiegel, S. 23.

(5) Vgl. R. v. Weizsäcker, Europa muss erwachsen werden. In: „Die Zeit“, 21. Oktober 1999, S. 2.

(6) Gregor von Nazianz, Orat. 31,14, PG 36, 149, deutsch: Gregor von Nazianz. Die fünf theologischen Reden,. Text mit Übersetzung mit Einleitung und Kommentar, J. Barbel, Düsseldorf 1963, 245: „Wenn wir auch an drei glauben, so werden die doch auf einen zurückgeführt, die aus ihm ihren Ursprung haben. Denn das eine ist nicht mehr, das andere weniger Gott, das eine ist nicht früher, das andere später. Auch besteht kein Unterschied im Wollen, keine Teilung in der Macht, und es ist überhaupt nichts vorhanden, was einer Trennung ähnlich wäre, sondern, wenn man es knapp sagen will, so ist ungeteilt in den Verschiedenen die Gottheit“.

(7) Jürgen Moltmann, Die versöhnende Kraft der Dreieinigkeit im Leben der Kirche und der Gesellschaft, in: Ökumenisches Forum 6(1983)55. Siehe auch das Studienheft No. 15 der KEK, Genf 1983.  

(8) Alle Menschen sind «ομοούσιοι», wesensgleich, wie der hI. Athanasius betont. Athanasius, Ad Serapionem, II, 3, PG 26, 612B.

(9) Vgl. G. Larentzakis. Trinitarisches Kirchenverständnis, in: Trinität Aktuelle Perspektiven der Theologie, hg. v. W. Breuning, Freiburg-Basel-Wien 1984, 91f. Derselbe, Die Teilnahme am trinitarischen Leben. Die Bedeutung der Pneumatologie für die Ökumene heute. In: Der Heilige Geist: Ökumenische und reformatorische Untersuchungen, Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg Bd. 25, hg. v. Joachim Heubach, Erlangen 1996, 225f.

(10) „Der Beitrag der Orthodoxen Kirche zur Verwirklichung des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Brüderlichkeit und der Liebe zwischen den Völkern sowie zur Beseitigung der Rassen- und anderen Diskriminierungen“, in Una Sancta 42(1987)21. Dieses Dokument wurde in Chambésy bei der III. Präkonziliaren Panorthodoxen Konferenz als Konzilsentwurf für das nächste Panorthodoxe Konzil verabschiedet.

(11) Manche Ausgaben bzw. Übersetzungen sagen hier statt aus einem Blut, „aus einem Menschen“.

(12) „Das Ökumenische Patriarchat und die Orthodoxe Kirche überhaupt respektieren die nationalen Traditionen und Empfindungen der Völker. Wir verurteilen aber in schärfster Weise jede Art des Fanatismus, des Gesetzesbruchs und der Gewaltanwendung, von wem auch immer sie begangen werden. Wir werden weiterhin unerbittlich auf der Notwendigkeit des freien und friedlichen Umgangs der Menschen untereinander, des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenlebens der Völker beharren.“ Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Plenum des Europäischen Parlaments (Straßburg, 19. April 1994). Deutsch u. a. in: Orthodoxes Forum 8(1994)239f.

(13) „Wir verurteilen jeden nationalistischen Fanatismus, der zur Spaltung und zum Hass zwischen den Menschen, zur Verfälschung oder zur Vernichtung der kulturellen und religiösen Besonderheiten anderer Völker der Erde und zur Verletzung des heiligen Rechts auf Freiheit und Würde der menschlichen Person und der überall existierenden Minderheiten führen kann.“ Der Text deutsch: Botschaft der Vorsteher der Orthodoxen Kirchen (Patmos, 26. September 1995), in: Orthodoxes Forum 10(1996)100.

(14) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat am 24. Mai 2005 eine gesamtorthodoxe Synode aller Oberhäupter der Gesamtorthodoxie nach Konstantinopel einberufen, die die Krise des Patriarchates von Jerusalem behandelt hat. Der Patriarch von Jerusalem wurde auf Beschluss der Synode seines Amtes enthoben. [zu

(15) Vgl. Grigorios Larentzakis, Zukunftsweisende Ökumene. Der neue Papst Benedikt XVI. und orthodoxe Hoffhungen, in: KNA-ÖKI 17 (26. April 2005) 8f.

(16) Vgl. Grigorios Larentzakis, Europa ein menschliches Gesicht geben, Einige persönliche Gedanken zur Charta Oecumenica aus der Sicht eines orthodoxen Theologen, in: Ökumenische Rundschau 52(2003)58ff.

(17) Siehe in: Επίσκεψις, Nr. 503, 31.3.1994, 6-11. Und in: Ενημέρωσις, 1-1994/1-2, 1f.

(18) Die Deklaration in Deutscher Übersetzung von Otto König und Andrea Pfandl in: Ökumenisches Forum 18(1995)323-326.

(19) Dazu vgl. Papandreou Damaskinos, Möglichkeit und Notwendigkeit interreligiöser Dialoge; in: Una Sancta 53(1998)115f. Hier gibt es auch Hinweise für die Auswertung eines zehnjährigen Dialogs zwischen Christen und Muslimen.; bes. Anm. 2.  

(20) In: „Kleine Zeitung“, Graz, 4. Juni 2005, 8.

(21) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., 239f.

(22) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., ebd.

(23) In ihrer Botschaft betonten sie, „dass die orthodoxe, kirchliche Auffassung über ‚Nation’ gar kein Element der Aggressivität und der Konfrontationen zwischen den Völkern beinhaltet, sondern dass sie sich auf die Besonderheit eines jeden Volkes bezieht, auf ihr heiliges Recht, den Reichtum ihrer Tradition zu bewahren und zu pflegen, damit sie dadurch für den Erfolg, für den Frieden und für die Versöhnung aller Menschen beitragen.“ Der Text in: Orthodoxes Forum 10(1996)100. [zur

(24) Der Text Deutsch in: Una Sancta 42(1987)15f.

(25) Dazu vgl. Grigorios Larentzakis, Für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt von heute. Ökumenische und orthodoxe Aspekte, in: Ökumenisches Forum 10(I987)33f.

(26) „Aufgrund unseres Engagements für diesen Versöhnungsprozess fordern wir die politischen Entscheidungsträger und alle Bürgerinnen und Bürger dringend auf:
- die Würde der menschlichen Person und die Heiligkeit des menschlichen Lebens zu schützen;
- den Vorrang der menschlichen Person gegenüber wirtschaftlichen Interessen wieder herzustellen oder aufrechtzuerhalten;
- sich für die Würde und den Schutz der Rechte von Flüchtlingen, Migranten und Vertriebenen einzusetzen und das Recht von Flüchtlingen auf Asyl und die freie Wahl ihres Wohnortes aufrechtzuerhalten.

(27) Die Einigung Europas. Die Rede Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., 239.

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